In vielen europäischen Ländern ist er schon üblich, nicht aber in Deutschland: Der Mindestlohn. Aber auch hierzulande gibt es die Diskussion, eine solche Lohnuntergrenze gesetzlich festzuschreiben. Philipp befürwortet einen Mindestlohn, Melanie lehnt ihn ab.
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Pro: Philipp Mittlerweile steht der Programmpunkt Mindestlohn in nahezu allen Parteiprogrammen für das Jahr 2013. Damit reagiert die Politik endlich auf das anhaltende Lohndumping, das viele Arbeitnehmer ans Existenzminimum drängt. Dass man von einem Stundenlohn bis zu unter zwei Euro nicht leben und schon gar nicht eine Familie ernähren kann, ist angesichts der Lebenshaltungskosten leicht zu erkennen. Dennoch gibt es Berufe, in denen ein solch niedriges Gehalt Normalität ist. Besonders schockierend ist dabei, dass auch Arbeitnehmer mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung oder gar einem akademischen Abschluss zu solchen Konditionen arbeiten müssen. Klar könnten sie sich rein theoretisch auch eine andere Beschäftigung suchen. Doch Jobs wachsen bekanntlich nicht auf Bäumen. Wie das Institut für Arbeit und Qualifikation herausstellt, gibt es 1,4 Millionen Arbeitnehmer, die zusätzliche Unterstützung vom Staat bekommen, um ihr zum Leben ungenügendes Gehalt aufzustocken. Ein gesetzlicher Mindestlohn würde demnach auch den öffentlichen Haushalt entlasten. Kritiker des Mindestlohns argumentieren oft, dass dieser Arbeitsplätze gefährde. Das Beispiel Großbritannien, wo 1999 der Mindestlohn eingeführt wurde, widerlegt die Kritiker: In den typischen Niedriglohnbranchen wie beispielsweise dem Einzelhandel oder der Gastronomie gab es nach sieben Jahren ein Plus von 400.000 Beschäftigten. Das Erfolgsrezept: Statt von einem auf den anderen Tag den Mindestlohn auf eine Summe zu fixieren, wurde er nach und nach erhöht. Trotzdem ist Deutschland eines der wenigen Länder Europas, in denen es keinen Mindestlohn gibt. Meiner Meinung nach ist die Einführung eines Mindestlohns unabdingbar. Die Bedingungen für Arbeitnehmer, die für einen Hungerlohn schuften, müssen verbessert werden, damit sie auch ohne staatliche Unterstützung gut über die Runden kommen. Großbritannien hat es erfolgreich vorgemacht, worauf warten wir also noch? |
Contra: Melanie Seit Jahren gibt es in Deutschland eine kontroverse und emotionale Diskussion um den Mindestlohn. Doch dieser ist kein Weg aus der Armut, wie von vielen Befürwortern behauptet. Im Gegenteil: den Arbeitnehmern würde es schlechter gehen als zuvor. Im November 2012 gab es in Deutschland 2,7 Millionen Arbeitslose. Das ist nahe der Vollbeschäftigung und ein Wert, der sich international sehen lassen kann. Dies sollte nicht durch einen Mindestlohn auf Spiel gesetzt werden. Ein zu hoher Mindestlohn lässt die Arbeitskosten ansteigen und würde für viele Arbeitnehmer die Arbeitslosigkeit bedeuten, denn die Lohnkosten in den unteren Einkommensschichten übersteigen schon heute oft die Produktivität der Arbeitskräfte. Außerdem verschlechtert ein Mindestlohn die Aussicht auf eine Beschäftigung. Arbeitsplätze, deren Produktivität unter dem Mindestlohn liegt, werden entweder ins Ausland verlagert oder sogar dauerhaft abgebaut. Ein Mindestlohn ginge so insbesondere zu Lasten der Geringqualifizierten, die oft auf Jobs im Niedriglohnsektor angewiesen sind. Auch den Prozess der Einführung eines Mindestlohns darf man nicht außer Acht lassen. Eine Kontrollinstanz müsste darüber wachen, dass er flächendeckend eingehalten wird, und sie muss gegebenenfalls auch Sanktionen durchsetzen können – was wiederum mit einem riesigen bürokratischen Aufwand verbunden wäre. Unterm Strich ist der Mindestlohn nur dann sinnvoll, wenn der Lohn bei gleichbleibender Stundenzahl tatsächlich ansteigt. Weil das sehr unwahrscheinlich ist, wäre meiner Meinung nach die Einführung einer negativen Einkommensteuer die beste Lösung. Wer über einem bestimmten Einkommensniveau liegt, zahlt dafür Steuern, wer darunter liegt, erhält Geld vom Staat, welches das Existenzminimum sichert. Durch den gleitenden Übergang steigt für Geringverdiener der Anreiz, eine Arbeit aufzunehmen. |
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Kommentare
Mir fällt bei diesem Thema aber auch auf, das es gelegentlich auch mal in der Versenkung verschwindet.
Wir wissen ja alle das die Wahlen vor der Tür stehen.
Ich arbeite schon seit über 15 Jahren im Baubereich mein durchschnittlicher Verdienst in all den Jahren liegt bei nicht mal 7 Euro.
Was mich in all den Diskussionen ärgert und zu gleich sehr verwundert, ist das ein Thema offensichtlich überhaupt nicht zur Ansprache kommt.
Was steht im Arbeitsvertrag als Stellenbeschreibung???
Wir haben ja schon in 12 Branchen Mindestlöhne.
Ist ja schon mal ein Anfang.
Aber es gibt Hunderte Berufen und so lange es keine Regeln in anderen Bereichen gibt,
greifen branchenbezogene Löhne auch nicht.
Ich gehe z.b. als Maurer arbeiten und werde als Putzer im Vertrag geführt / ich habe in meinem Arbeitsvertrag Produktionshelfer stehen und gehe als Leiharbeiter auf den Bau arbeiten / ich bin Elektriker und da steht für irgend eine Helfer stelle auf den
Arbeitsvertrag.
Ich habe das aus eigener Erfahrung und direkt von Kolegen mit denen ich gearbeitet habe mit bekommen, und könnte noch eine weile so weiter machen.
Und bei ansatzweise 13% Abeistlosigkeit geht man mal nicht einfach so zu einer anderen Firma, und noch was, das mit der andren Stellenbeschreibung ist hier wohl gang und gebe.
Also was mich betrifft ich bin für eine einheitliche Regelung.
Wenn hier nicht langsam mal was passiert Habe ich wohl noch 30 Arbeitsjahre vor mir in denen ich mir nichts bei Seite packen kann für meinen Lebensabend.
Z.B. drei Brüder arbeiten in einer Firma: Der 1. war immer faul in der Schule, hat nichts gelernt, läuft rum un leert Abfalleimer aus. Verdienst 7 €. (In meinen Augen gerechtfertigt für 0 Verantwortung und 0 Wissen) der 2. Ist gelernter Schlosser und schweißt den ganzen Tag. Verdienst 8,50 €. Der Dritte ist Ingenieur aktueller Verdienst 10 € die Stunde.
So nun wird der Lohn des 1. Bruders angehoben. Der 2. kuckt dumm, weil er plötzlich für mehr Arbeit und bessere Qualifikation das selbe Geld bekommt. Bruder 2. rennt nun zum Chef un schimpft, bekommt eine Lohnerhöhung, verdient nun 10 €. Jetzt verlagert sich das Problem auf Bruder 3. Dieser hat sogar studiert und merkt nun vom Gehalt kein Unterschied zu Bruder 2. und der Spalt zu Bruder 1. ist auch nicht gerade hoch. Nun geht auch Bruder 3. zum Chef. Bekommt ebenfalls eine Lohnerhöhung auf 11,50 €. Das Gerechtigkeit scheint wieder hergestellt.
So nun der Chef: Rechnerisch höhere Lohnkosten von 4,50 € pro Stunden…eine Firma mit 1.000 Mitarbeitern…puh da kommt was zusammen denkt sich der Chef und jetzt?
1. Schritt Lohnkosten auf das Produkt umlegen – Freut sich der Verbraucher, der mal wieder der Dumme ist. Da Bruder 1. wohl auch Dienstleistungen und Pordukte in Anspruch nehmen muss, die nun steigen, stellt sich die Frage was überhaupt übrig bleibt von seiner Lohnerhöhung.
Doch dann…
2. Schritt die Kunden springen dem Chef ab, da es das Produkt aus sonst wo billiger gibt.
3. Es gibt erst Kündigungen.
4. Die Firma macht zu. Bruder 1. 2. und 3. gucken dumm aus der Wäsche.
Ja und jetzt liebe Politiker hierauf eine Antwort!
Die Unterstellung, dass Geringverdiener auch Geringqualifizierte sind ist schlichtweg falsch. Ich habe eine abgeschlossene Ausbildung in einer angesehenen Branche und fünfzehn Jahre Berufserfahrung. Trotzdem arbeite ich jetzt für weit weniger als 8,50 € in einem anderen Beruf. Zwei meiner Arbeitskollegen da sind ein Jurist und ein Internist. Beide sind höher qualifiziert als ich, verdienen aber noch weniger.
Ich könnte hier locker noch 120 weitere Beispiele aufführen allein von Personen die ich persönlich kenne, die meisten davon beim selben Arbeitgeber.
In einer Zeit mit mehr als 2 1/2 Millionen Arbeitslosen ist man auch als höher Qualifizierter z. B. durch eine Unternehmensschließung schnell schon mal gezwungen eine unterprivilegierte Arbeit anzunehmen. Wenn man da erst einmal drin ist wird es sehr schwer wieder einen Weg nach oben zu finden. Dabei spielt es keine Rolle wie man in die Situation geraten ist.
Wer in Vollzeit arbeitet muss davon auch ohne Aufstockung leben können. Das heißt: Trockene warme Wohnung, Ausreichende Versorgung mit Grundbedürfnis-Gütern wie Strom, Wasser, Nahrung, Kleidung.
Das ist weniger eine Frage des "wer will mehr verdienen" als viel mehr eine der Menschenwürde, die im Übrigen in Artikel 1 unseres Grundgesetzes eben jenen Grundsatz bildet, dem alles Andere in diesem Staat untergeordnet zu sein hat.
Wenn ein Ingenieur nur einen Euro die Stunde mehr verdient als der Hausmeister ist das nicht entwürdigend. Wenn der Hausmeister aber trotz Vollzeitbeschäftigung Geld vom Staat benötigt, um seinen Kindern neue Schuhe zu kaufen, weil sein Einkommen unter Hartz IV Niveau liegt, dann stellt das sehr wohl eine Entwürdigung dar. Und genau deswegen stellt sich die Frage nach dem Anstieg höherer Löhne in diesem Kontext nicht, denn sie vermittelt lediglich einen Eindruck von Gier der bereits besser Bezahlten.
Für mich gibt es nur alternative, eine Stelle als Verkäufer fällt weg und ich mache einen Laden selber. Dazu werde ich einen minijober für 450 EUR einstellen. Früher hat dieser als Aushilfe 5 EUR die Stunde bekommen und dafür zwei Wochen gearbeitet. Bei 8,50 würde er nur eine Woche arbeiten. Das Geld wird also nicht mehr für die Aushilfe und der Zuschuss von Hartz4 bleibt der gleiche. Keiner hat was gewonnen, der Staat gibt mehr Geld aus weil Stellen abgebaut werden. Es gibt sicherlich noch andere Bereiche in den keine hohe Erwartungen an den Arbeitnehmer gestellt werden, die wie ich finde auch keinen Anspruch auf den Mindestlohn haben. Diese Stellen werden wegfallen. Im übrigen, hat der Staat Leute für einen Euro arbeiten lassen. Was ist mit diesen Menschen, bekommen die jetzt auch den Mindestlohn? Mein Fazit, der gesetzliche Mindestlohn bringt nicht viel.
Zur Klarstellung auch ich bin grundsätzlich für den gesetzl. Mindestlohn. Allerdings so scheint mir der einzige Beweggrund unserer ach so arbeitnehmerfreundlichen Regierung schlicht die klamme Staatskasse zu sein. Wie sonst erklärt sich diese schamlose und einseitige Benachteiligung sämtlicher kleinen und mittelständigen Unternehmen. Diese Unternehmen die oft einen einzigen oder auch mehrere Standorte in Deutschland haben(u.fleißige Steuerzahler sind) stehen oft im knallharten Lohnvergleich mit den Osteuropäischen Ländern. Was passiert mit den Löhnen in Osteuropa? Warum gibt es schon im Vorfeld der Mindestlohngesetzgebung sogenannte Dienstleistungsunternehmen z.B.in Bulgarien oder Rumänien die Arbeitskräfte zu Hungerlöhnen von ca.400€./Monat an deutsche Firmen verleihen. Sehr oft kommen solche Mitarbeiter auch und gerade bei den sog. namhaften Herstellern oder gar Premiumherstellern über Dritte zum Einsatz.
Meine Forderung: Mit der Einführung des gesetzl. Mindestlohnes in Deutschland muss zeitgleich gesetzl. geregelt werden, dass Arbeitskräfte aus anderen europäischen Ländern die in deutschen Firmen in Deutschland arbeiten ebenfalls den gesetzl. Mindestlohn erhalten. Das würde bedeuten, dass der Entleiher solcher Billigarbeitskräfte gegenüber der z.B. Arbeitsagentur meldepflichtig wird unabhängig davon wo der Firmensitz des Verleihers ist.
Möglicherweise gibt es noch mehr Schlupflöcher um den Mindestlohn zu umgehen allerdings sollte den bereits bekannten fiesen Machenschafften sofort ein Ende bereitet werden!!
Also, Mindestlohn ja –aber Richtig–
Es ist immer wieder lustig mit anzusehen, wie Politiker die tausende von Euro monatlich bekommen den Leuten erzählen wollen es gibt hier eine soziale Gerechtigkeit.
Diese Leute müssten mal versuchen von diesem Mindestlohn zu leben.
Wenn man sich diese tollen Statistiken dann noch anschaut, in denen behauptet wird der Deutsche habe ja ein super Vermögen und die Kauflust wäre so groß wie nie Ha ha ha
Diese Kauflust haben doch nur solche, die oben an der Schere leben und nicht ab der mitte abwärts.
Aber die Menschen glauben eben immer noch den ganzen Mist, obwohl man nach Wahlen die Quittung schon nach kurzer Zeit bekommt.
Ich sag nur Gute Nacht Deutschland.
Meiner Meinung nach ist der Mindestlohn ein guter Schritt in die richtige Richtung. Es gibt dabei keine Unterscheidung zwischen Mann und Frau, was ja momentan auch wieder ein sehr aktuelles Thema ist.
Grundsätzlich ist die Idee Arbeitnehmern einen höheren Verdienst zu geben gut, aber es muss Ausnahmen geben . Zum Beispiel Regionale Ausnahmen. Ein Landwirt möchte einer Feld Gehilfe keine 8,50 Euro geben, da es einfach überbezahlt wäre under sowieso schon einen relativ geringen Verdienst hat. Außerdem steigt die Arbeitslosigkeit durch den Mindestlohn an, da es für einen Arbeitergeber wie oben schon erwähnt profit voller ist. Zudem führt es zu einem starken Anstieg der Schwarzarbeitsrate, denn durch den Mindestlohn wäre die Schwarzarbeit noch attraktiver, als sie es sowieso schon ist.